
Am Anfang war…
Es begann vor einigen Jahren mit einer einzelnen Privatlektion.
Eine CANTIENICA®-Instruktorin kam zu mir, weil sie etwas für sie Entscheidendes bemerkte:
„Irgendwie hat es mein Körper noch nicht verstanden – und auch nicht verinnerlicht.“
Gemeinsam arbeiteten wir an ihrer eigenen Propriozeption. Ich unterstützte sie mit biomechanischen Impulsen, anatomischen Modellen und gezieltem Coaching. Es ging nicht darum, neue Hinweise zu lernen, sondern darum, die bereits bekannten von innen heraus klar zu erfassen, zu fühlen und einzuordnen.
Einige Wochen später schrieb sie mir eine E-Mail, die mich tief berührte.
Was sie gewonnen hatte, war Klarheit, durch Verständnis und durch die Fähigkeit, sich selbst differenziert zu ertasten und zu erspüren.
Noch beeindruckender war jedoch Folgendes:
Die Hinweise, die sie in ihrem Unterricht weitergab, waren die gleichen wie zuvor. Doch kamen diese bei ihren Teilnehmer:innen plötzlich viel klarer, direkter und wirksamer an.
Dieses Phänomen beobachte ich seit vielen Jahren.
Egal wie präzise Hinweise sind, egal wie gut eine Methode ist:
Wenn wir sie lediglich „weitergeben“, bleiben sie für die Teilnehmenden oft eine leere Hülle: eine Abfolge von Übungen ohne innere Verankerung.
Wer kennt das nicht aus dem Unterricht?
Man gibt einen Hinweis und sieht zehn völlig unterschiedliche Umsetzungen. Warum?
Weil jedes Gehirn den Körper nach seiner eigenen Prägung anders steuert, mit seiner eigenen Geschichte, Erfahrungen und Gewohnheiten. Und mit vielen blinden Flecken.
Präzise Hinweise können helfen, aus gewohnten Mustern auszusteigen. Doch ohne innere Orientierung ist das schwer und der Körper fällt immer wieder in die alten Muster zurück.
In den letzten Jahren durfte ich viele wundervolle Methoden kennenlernen, die Menschen wirklich weiterhelfen. Und doch kommt aus meiner Sicht ein entscheidender Teil oft zu kurz: die Verbindung von Biomechanik und Propriozeption
Wo viele Methoden enden – und POSTURA beginnt
Genau hier setzt die POSTURA-Arbeit an, mit klarem Coaching und konkreten Hilfestellungen, sollen die Menschen zunächst lernen, die „Bedienungsanleitungen“, die im eigenen Körper stecken, wahrzunehmen, zu entschlüsseln und anzuwenden, bevor sie äußeren Anweisungen folgen.
Im Zentrum steht dabei die Fähigkeit, den Körper als myofaszial-nervales Gesamtsystem wahrzunehmen, anzuleiten und zu integrieren.
Keine Antithese
Die POSTURA-Methode will deshalb keine anderen Methoden ersetzen. Vielmehr wertschätzt sie andere Methoden, kann diese ergänzen, vernetzen und bereichern. Die POSTURA Prinzipien sind auch an andere Methoden anschlussfähig.
Wenn ein Mensch biomechanische und anatomische Zusammenhänge von innen klar sehen und verstehen kann, entsteht etwas Wesentliches:
Autonomie.
Und diese Autonomie steigert die Qualität jeder Bewegung, jeder Sportart – ja sogar jeder Haltung im Alltag.
Autonomie statt Nachahmung
Nach dieser ersten Privatlektion kamen weitere Instruktorinnen. Dann Physiotherapeutinnen, Yogalehrer:innen, Sportlehrer:innen und Therapeut:innen verschiedenster Richtungen.
Sie nutzten die Privatlektionen, um genau diese Klarheit zu gewinnen. Und sehr oft anhand ganz konkreter Beispiele aus ihrem Berufsalltag.
So schärfte sich mein Fokus immer mehr auf differenzierte Wahrnehmung, Biomechanik und Coaching.
Diese drei Bereiche wurden schließlich zu den Säulen der POSTURA-Ausbildung.
Irgendwann kam die Frage:
„Gemma, warum bietest du eigentlich keine Ausbildung an?“
Ausbildungen hatte ich bereits gegeben. Und ich wusste, wie viel Freude mir das bereitet.
Keine Übungssammlung – sondern eine Methodik
Die große Herausforderung lag jedoch woanders:
Es ging nicht darum, eine Liste fertiger Übungen mit fixen Hinweisen zu vermitteln. Das Ziel musste sein, eine Methodik zu entwickeln, die eine Fähigkeit weckt – und diese dann im eigenen beruflichen Feld anwendbar macht.
Diese Herausforderung nahm ich an.
2024 war es so weit: Die POSTURA-Basisausbildung stand.
Das Skript war geschrieben.
Und meine erste Ausbildungsgruppe startete in meinem Studio in Heidelberg.
Ich war voller Freude.
In diesem Moment spielte es für mich keine Rolle, ob weitere Gruppen folgen würden. Die Arbeit an der Ausbildung selbst hatte mir so viel Klarheit und noch tieferen Verständnis gegeben, dass ich bereits reich beschenkt war. Ich wollte einfach losgehen und dieses Konzept weitergeben.
Die Rückmeldungen der Teilnehmer:innen waren überwältigend.
Und ja, es kamen weitere Interessierte. Und so ging es weiter.
Heute erfüllt es mich zutiefst zu sehen, wie die POSTURA-Methode als integraler Bestandteil die Arbeit mit Menschen bereichert.
Geprüfte Practitioner
Die Abschlussprüfung der Basisausbildung ist für die Auszubildenden eine echte Herausforderung. Sie besteht aus einer schriftlichen und einer praktischen Arbeit.
- In der schriftlichen Arbeit entwickeln die Teilnehmer:innen eine eigene Unterrichtseinheit aus ihrem Fachgebiet: mit Fokus, Zielsetzung und Ausgangslage. Sie sollen beschreiben, wie sie die POSTURA-Prinzipien in ihrem Unterricht integriert haben und welche Veränderungen, Erfolge oder auch Herausforderungen dabei entstanden sind.
- Die praktische Prüfung findet an einem Wochenende im Studio Heidelberg statt. Jede Teilnehmer:in unterrichtet einen Teil ihrer erarbeiteten Einheit live. Anschließend folgt eine gemeinsame Evaluation und schließlich die Diplomvergabe.
Bei der ersten Ausbildung war ich selbst sehr gespannt.
Ich wusste nicht, ob dieses Konzept wirklich tragen würde. Meine frühere Ausbilderinnen-Erfahrung bestand darin, ein fertiges Produkt weiterzugeben und dieses auch 1:1 abzuprüfen.
Hier jedoch lag die Herausforderung in der Integrität und Eigenständigkeit innerhalb eines sehr weiten Spektrums.
Doch es dauerte nicht lange:
Jede einzelne Auszubildende integrierte die POSTURA-Prinzipien mit so viel Feingefühl und Kompetenz in ihr eigenes Gebiet, dass ich innerlich – und später auch laut – gejubelt habe.
Ich war unglaublich stolz.
Auf mich.
Und vor allem auf meine Auszubildenden.
Es geht weiter
Mittlerweile sind die Weiterbildungen fertig konzipiert.
Und ich freue mich auf all die Gruppen, die noch kommen werden.
Zum Schluss möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um mich von Herzen bei meinen POSTURA-Practitioner zu bedanken:
Danke für euer Vertrauen.
Ohne euch hätte ich diese Ausbildung, die mir so sehr ans Herz gewachsen ist, nicht weiterentwickeln können.
Eure Gemma


